Maria Callas singt zwei Rezitale in Paris.
In 1965 und 1958
Besetzung
Maria Callas — Sopran
Orchester der Pariser Nationaloper
Georges Sébastian
Albert Lance — Tenor
Jacques Mars — Bass
Orchester des ORTF
Georges Prêtre — Dirigent
Programmhinweise
Bewegend und erhaben war Callas die „Stimme des Jahrhunderts“. Wir sehen sie bei zwei Recitals in Paris gefilmt.
Zu Lebzeiten war Maria Callas bereits eine Legende, und seit ihrem Tod am 16. September 1977 lebt sie im Gedächtnis der breiten Öffentlichkeit weit über den Kreis der Opernfans hinaus weiter. Callas war auf der Bühne echt und authentisch, wie nur wenige vor ihr: „Im Vergleich zu ihr waren die meisten Sänger angenehm zu hören, aber als wären sie von der Realität losgelöst“, erinnert sich Renata Scotto. „Callas sprach zu uns in der Gegenwart.“
1923 in New York geboren, sah sich Callas im Laufe ihres Lebens mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert – mit einer Mutter, die sich einen Jungen gewünscht hatte; mit ihrem Aussehen (das sie komplett veränderte, vielleicht zum Nachteil ihrer Gesundheit); in ihrer stürmischen Beziehung zu Aristoteles Onassis; und schließlich mit ihrer Stimme, die sie so früh im Stich ließ…
1965: Als sie Bellinis Norma an der Opéra de Paris singt, ist Callas nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie bricht nach der fünften Aufführung vor der zweiten Szene des zweiten Akts ab. Doch wenige Tage zuvor, am 2. Mai im Théâtre des Champs-Élysées, nähert sich Callas, begleitet vom Orchester der ORTF und Georges Prêtre, dem Erhabenen. Mit der Intelligenz jedes Wortes und jeder Note bietet sie drei unvergessliche Arien dar: „Adieu notre petite table...“ (Manon von Massenet), „Ah, non credea mirarti...“ (La Somnambula von Bellini), „Oh, mio babbino caro...“ (Gianni Schicchi von Puccini). Sie ist schön und bewegend.
Sie stand auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte, als sie am 19. Dezember 1958 in Frankreich ihr Debüt an der Pariser Oper bei einer Gala-Veranstaltung in Anwesenheit von Präsident René Coty gab. Glücklicherweise waren Kamerateams vor Ort, um das höchste künstlerische Können von Callas festzuhalten. Mit zwei Arien aus Bellinis Norma, darunter „Casta Diva“, sowie Auszügen aus Verdis Il Trovatore und Rossinis Der Barbier von Sevilla wirft sich das Publikum ihr zu Füßen. An diesem Abend war auch Aristoteles Onassis anwesend, der sie in ihrer Garderobe beglückwünschte. Aber das ist eine andere Geschichte…
Das in diesem Programm gezeigte Archivmaterial stammt aus Les grands interprètes (INA-Archiv von Bernard Gavoty, Gérald Herzog, 1965) und La grande nuit de l'opéra (INA-Archiv von Roger Benamou, 1958).




